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IACM-Informationen vom 28. April 2018

Wissenschaft/Mensch: Cannabiskonsum ist mit reduzierter Sterblichkeit bei Patienten mit Verbrennungen verbunden

In einer Studie mit 3299 Patienten mit einer Verbrennungsverletzung war Cannabiskonsum im Vergleich mit Nichtkonsumenten und Konsumenten anderer Drogen mit einer geringeren Sterblichkeit und kürzeren Krankenhausaufenthalten verbunden. Forscher des Jaycee Verbrennungszentrums von Nordcarolina in Chapel Hill (USA) analysierten Daten aller Patienten, die 2015 in das Zentrum eingewiesen wurden.

Alle in die Studie aufgenommenen Patienten wurden auf Drogen getestet, inklusive Amphetamine, Kokain, Cannabis und Alkohol, und 56 % wurden auf mindestens eine Substanz positiv getestet. Die häufigste Droge war Cannabis mit 29 % der Studienpopulation, gefolgt von Alkohol, Kokain und Amphetaminen. Patienten, die positiv auf Cannabis getestet wurden, wiesen im Vergleich zu Nichtkonsumenten und Konsumenten anderer Drogen durchschnittlich einen kürzeren Krankenhausaufenthalt auf. Die Sterblichkeit betrug bei Patienten, die positiv auf Kokain und Amphetamine getestet wurden, 4 %, genauso wie bei Patienten, bei denen keine Drogen oder Alkohol festgestellt wurden. Die Mortalität betrug 8 % bei solchen mit positivem Alkoholtest und 1 Prozent für Patienten mit positivem Cannabistest.

Williams F, Chrisco L, Nizamani R, Cairns B, Jones S. Marijuana Use is Protective in Burns. J Burn Care & Res. 2018;39(suppl_1):S198–S199.

Wissenschaft/Mensch: In einer offenen Studie reduzierte ein Cannabisextrakt mit THC und CBD Anfälle bei Epilepsie

Ein Cannabisextrakt mit einem CBD-/THC-Verhältnis von 20 zu 1 reduzierte in einer offenen Studie mit 57 Patienten mit verschiedenen Epilepsieformen die Schwere der Erkrankung. Die Untersuchung wurde von Forschern der Klinik für Kinderneurologie am Medizinzentrum in Tel Aviv (Israel) durchgeführt. Die Patienten im Alter von 1 bis 20 Jahren wurden mindestens 3 Monate lang behandelt, mit einer medialen Nachsorge von 18 Monaten. Die durchschnittliche tägliche CBD-Dosis betrug 11,4 mg/kg Körpergewicht, was 0,55 mg THC/kg Körpergewicht entspricht. 46 Patienten wurden in die Wirksamkeitsanalyse einbezogen.

Sechsundzwanzig Patienten (56 %) hatten eine Reduzierung der mittleren monatlichen Anfallsfrequenz um mindestens 50 %. Es gab keinen statistisch signifikanten Unterschied in der Ansprechbarkeit bei verschiedenen Epilepsie-Ursachen und verwendeten Cannabissorten. Ein jüngeres Alter zu Beginn der Therapie (jünger als 10 Jahre) und eine höhere Dosis war mit einem besseren Ansprechen auf die Therapie verbunden. Die Autoren schrieben, dass ihre „Ergebnisse nahelegen, dass, gemäß Berichten der Eltern, die zusätzliche Gabe eines CBD-reichen Cannabisextrakts zum Behandlungsschema von Patienten mit refraktärer Epilepsie zu einer signifikanten Reduzierung der Anfallsfrequenz führen kann“. Allerdings könnten die Wirkungen auch auf THC beruhen, zumindest zum Teil.

Hausman-Kedem M, Menascu S, Kramer U. Efficacy of CBD-enriched medical cannabis for treatment of refractory epilepsy in children and adolescents - An observational, longitudinal study. Brain Dev, 16. April 2018 [Im Druck]

Wissenschaft/Mensch: Die akute Verwendung von Cannabis könnte nach einer großen Studie Angst und Depressionen reduzieren

Cannabis reduziert gemäß einer Studie von Forschern der Staatlichen Universität von Washington in Pullman (USA) Symptome von Depressionen, Angst und Stress. Sie verwendeten Daten einer App und analysierten 11.953 Cannabis-Einnahmen von Menschen, die an Depressionen (3151 Cannabiseinnahmen), Angst (5085) und Stress (3717) litten. Die App (SprainprintTM) gibt Verwendern von medizinischem Cannabis ein Mittel an die Hand, um Veränderungen der Symptome als eine Funktion verschiedener Dosen und Cannabissorten zu verfolgen.

Die Teilnehmer erlebten nach der Cannabiseinnahme eine Reduzierung der Depressionen um 50 %, sowie von Angst und Stress um 58 %. Zwei Züge waren ausreichend, um die Stärke der Depressionen und der Angst zu reduzieren, während 10 Züge oder mehr die größte Abnahme des Stresses bewirkte. Sorten mit viel CBD und wenig THC waren mit den größten Veränderungen der Stärke der Depressionen verbunden, während Sorten mit viel CBD und viel THC die größten wahrgenommenen Veränderungen des Stresses bewirkten.

Cuttler C, Spradlin A, McLaughlin RJ. A naturalistic examination of the perceived effects of cannabis on negative affect. J Affect Di AG Stufe sord.18;235:198-205.

Wissenschaft/Mensch: CBD könnte gegen Angst und Depressionen verwendet werden, ohne den normalen Schlaf zu beeinflussen

Cannabidiol (CBD), ein nicht psychedelischer Bestandteil der Cannabispflanze, verändert nicht den normalen Schlafzyklus. Dies ist das Ergebnis einer klinischen Studie mit 27 gesunden Freiwilligen, die von Forschern der Universität von Sao Paulo (Brasilien) doppelblind entweder CBD (300 mg) oder ein Placebo erhielten. CBD oder das Placebo wurden 30 Minuten vor Beginn der Polysomnografie-Aufzeichnungen, die 8 Stunden dauerten, eingenommen. Bei der Polysomnografie wird eine Vielzahl von schlafrelevanten Parametern gemessen, darunter Beinbewegungen, Augenbewegungen und elektrische Hirnaktivität.

CBD zeigte keine signifikante Wirkung. Die Autoren schrieben, dass „im Unterschied zu angstlösenden und antidepressiven Medikamenten, wie Benzodiazepinen und selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, die akute Gabe einer angstlösenden Dosis von CBD nicht den Schlafzyklus von gesunden Freiwilligen beeinflusst. Die aktuellen Befunde unterstützen die Annahme, dass CBD nicht die normale Schlafarchitektur verändert.“

Linares IMP, Guimaraes FS, Eckeli A, Crippa ACS, Zuardi AW, Souza JDS, Hallak JE, Crippa JAS. No Acute Effects of Cannabidiol on the Sleep-Wake Cycle of Healthy Subjects: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled, Crossover Study. Front Pharmacol. 2018;9:315.

Kurzmeldungen

Wissenschaft/Mensch: Die Wirkung von Cannabis auf die geistige Leistungsfähigkeit von Heranwachsenden wird übertrieben dargestellt
Eine Übersicht von 69 Studien zu den Wirkungen von Cannabis auf die kognitive Funktion von jungen Menschen gelangte zu der Schlussfolgerung, dass „Zusammenhänge zwischen Cannabiskonsum und kognitiver Funktion in Querschnittsstudien von Heranwachsenden und jungen Erwachsenen gering und von fraglicher klinischer Bedeutung für die meisten Personen sind. Darüber hinaus schwächt eine Abstinenz von mehr als 72 Stunden die kognitiven Defizite durch Cannabiskonsum ab.“
Klinik für Psychiatrie, Perelman School of Medicine, Universität von Pennsylvania, USA.
Cobb Scott J, et al. JAMA Psychiatry, 18. April 2018 [Im Druck]

Wissenschaft/Mensch: Cannabiskonsum war mit einem verringerten Risiko für Vorhofflimmern verbunden
Bei Patienten mit Herzinsuffizienz hatten Cannabiskonsumenten im Vergleich zu Nichtkonsumenten weniger wahrscheinlich ein Vorhofflimmern (19,1 % gegenüber 21,4 %). Die Forscher verwendeten eine Datenbank von 3.950.392 Patienten, die im Jahr 2014 in den USA mit der Diagnose einer Herzinsuffizienz ins Krankenhaus eingewiesen wurden. Darunter waren 17.755 Cannabiskonsumenten. Sie schrieben, dass dieses reduzierte Risiko nicht durch andere Ursachen, beispielsweise das Alter, erklärt werden konnte.
Klinik für Innere Medizin, Englewood Krankenhaus und Medizinzentrum, USA.
Adegbala O, et al. Am J Cardiol, 28. März 2018 [im Druck]

Wissenschaft/Mensch: Hohe orale THC-Dosen reduzierten die Aufnahme von inhaliertem THC
In einer Studie mit 13 täglichen Cannabiskonsumenten reduzierte die tägliche Gabe von 120, 180 oder 240 mg oralem THC (Dronabinol), aufgeteilt auf 3 Dosen (3 × 40, 60 oder 80 mg), die Einnahme von inhaliertem Cannabis mit hohen THC-/Dronabinol-Konzentrationen. Die Autoren folgerten, dass „eine chronische Dronabinol-Einnahme die Selbstverabreichung von Cannabis bei täglichen Cannabiskonsumenten reduzieren kann“.
Medizinische Fakultät, Johns Hopkins Universität, Baltimore, USA.
Schlienz NJ, et al. Drug Alcohol Depend. 2018;187:254-260.

Wissenschaft/Mensch: Cannabiskonsum hat keine Wirkung auf die Hirnstruktur
In einer Studie mit 622 jungen australischen Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 25,9 Jahren gab es keine Beziehung zwischen Cannabiskonsum und Hirnstruktur. Die Forscher untersuchten das Volumen von 7 Hirnregionen, inklusive Thalamus, Hippocampus und Amygdala, mittels Magnetresonanztomografie (MRT). Allerdings war starker Zigarettenkonsum mit einem signifikant niedrigeren Thalamus-Volumen assoziiert.
Virginia Institut für psychiatrische und Verhaltensgenetik, Virginia Commonwealth Universität, USA.
Gillespie NA, et al. Addiction, 24. April 2018 [Im Druck]

Wissenschaft/Mensch: CBD reparierte negative Wirkungen von regelmäßigem Cannabiskonsum auf bestimmte Hirnregionen
In einer offenen Studie mit 18 regelmäßigen Cannabiskonsumenten, die etwa 10 Wochen lang täglich 200 mg CBD Einnahmen, nahm das Volumen bestimmter Bereiche im Hippocampus des Gehirns zu. Starker Cannabiskonsum könnte einen negativen Effekt auf diese Bereiche haben.
Illawarra Forschungsinstitut für Gesundheit und Medizin, Universität von Wollongong, Australien.
Beale C, et al. Cannabis Cannabinoid Res. 2018;3(1):94-107.

Wissenschaft/Mensch: Ein systemischer Lupus erythematodes war mit einem veränderten Endocannabinoidsystem verbunden
Verglichen mit gesunden Personen waren die Blutkonzentrationen des Endocannabinoids 2-AG (2-Arachidonoylglycerol) bei Patienten mit systemischen Lupus erythematodes erhöht. Die höchsten 2-AG-Spiegel waren mit einer geringen Krankheitsaktivität verbunden.
Medizinische Klinik, Campus Bio-Medico-Universität Rom, Italien.
Navarini L, et al. Int J Biochem Cell Biol. 2018;99:161-168.

Wissenschaft/Mensch: Die Zahl der Cannabinoid-1-Rezeptoren ist in braunem Fett erhöht
Die Aktivierung von braunem Fettgewebe durch Kälte erhöhte die Dichte von CB1-Rezeptoren. Im Gegensatz dazu wiesen übergewichtige Männer mit einer reduzierten Aktivität des braunen Fettes eine geringere Zahl von CB1-Rezeptoren im braunen Fettgewebe auf.
Universität von Turku, Finnland.
Lahesmaa M, et al. Diabetes, 12. April 2018 [Im Druck]

Wissenschaft/Mensch: Akuter Schmerz wird durch THC reduziert
In einer Studie mit 24 gesunden Freiwilligen, die entweder Paracetamol (1000 mg), THC (10 mg), Promethazin (50 mg) oder ein Placebo erhielten, reduzierten THC und Promethazin das Schmerzgefühl. Die Untersucher verwendeten verschiedene Aufgaben, die elektrischen Schmerz, Druck, Hitze, Kälte und Entzündungsschmerz verursachten. Sie zeigten, dass “die ermittelten Schmerzschwellen während dieser Schmerztestbatterie nicht durch Sedierung gesteuert werden.”
Zentrum für Drogenforschung am Menschen, Leiden, Niederlande.
van Amerongen G, et al. EUR J Pain, 10. April 2018 [im Druck]

Wissenschaft/Zellen: CBD hat entzündungshemmende Eigenschaften in einem Modell für allergische Kontaktdermatitis
In einem Modell für allergische Kontaktdermatitis mit menschlichen Hautzellen (Keratinozyten), übte CBD entzündungshemmende Wirkungen aus. CBD erhöhte die Spiegel des Endocannabinoids Anandamid und hemmte die Freisetzung verschiedener Zytokine, die mit Entzündungen assoziiert sind, einschließlich des Tumornekrosefaktors Alpha (TNF-Alpha) und Interleukin-6.
Nationaler Forschungsrat, Italien
Petrosino S, et al. J Pharmacol Exp Ther, 9. April 2018 [im Druck]

Wissenschaft/Mensch: Cannabiskonsum ist bei jugendlichen Patienten mit Schizophrenie mit normaler Dichte der grauen Substanz des Gehirns assoziiert
Jugendlicher Cannabiskonsum war bei Patienten mit Schizophrenie im Vergleich zu Nicht-Konsumenten mit einer abgeschwächten Verringerung der Dichte der grauen Substanz verbunden. Bei Personen mit Psychosen und jugendlichem Cannabiskonsum unterschied sich die Dichte der grauen Substanz insgesamt und regional nicht von der gesunder Personen.
Klinik für Psychiatrie, Southwestern Medical Center, Texas, USA.
Abush H, et al. Psychiatry Res, 28. März 2018 [im Druck]

Wissenschaft/Tier: Endocannabinoide reduzieren Angst
Die Erhöhung der Konzentration der Endocannabinoide Anandamid und 2-AG (2- Arachidonoylglycerol) durch die Hemmung ihres Abbaus durch Hemmung der Aktivität der Enzyme FAAH und MAGL führte bei gestressten Mäusen zu angstreduzierenden Wirkungen.
Klinik für Psychiatrie und Verhaltenswissenschaften, Medizinzentrum der Vanderbilt Universität, Nashville, USA.
Bedse G, et al. Transl Psychiatry. 2018;8(1):92.

Wissenschaft/Zellen: Hanf besitzt ein Potential zur Behandlung von Eierstockkrebs
Forscher verwendeten Eierstockkrebszellen, um die Wirkung von Hanf auf ihr Wachstum zu untersuchen. Sie konnten in zwei Studien zeigen, dass ein Extrakt aus Hanf aus Kentucky die Zellwanderung der Krebszellen verlangsamte und damit die Metastasierung hemmte, und dass der Extrakt die Sekretion von Interleukin-1 Beta reduzierte. Dieses Zytokin fördert das Krebswachstum. Die Autoren stellten fest, dass „KY-Hanf das Wachstum von Eierstockkrebs vergleichbar gut wie oder sogar besser als das gegenwärtige Eierstockkrebsmedikament Cisplatin verlangsamt“.
Pharmazeutisches Institut, Sullivan Universität, Kentucky, USA.
Vortrag, 2018 Experimental Biology meeting, April 21-25, San Diego

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