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IACM-Informationen vom 25. Juni 2016

Wissenschaft/Mensch: Cannabis hatte in einer klinischen Studie nützliche Wirkungen bei bipolaren Störungen

Bei einigen Patienten mit bipolarer Störung kann Cannabis zu einer teilweisen Linderung klinischer Symptome führen. Dies erklärten Wissenschaftler des McLean-Krankenhauses in Belmont, der Harvard Medical School in Boston und der Tufts Universität in Metford (USA). 12 Patienten mit bipolarer Störung, die Cannabis rauchten, 18 bipolare Patienten, die nicht rauchten, 23 gesunde Cannabisraucher und 21 gesunde Kontrollpersonen führten eine neuropsychologische Testbatterie durch. Darüber hinaus gaben sie dreimal täglich sowie nach jedem Cannabiskonsum 4 Wochen lang Auskunft über ihre Stimmung.

Die Ergebnisse zeigen, dass obwohl Cannabiskonsum und bipolare Störungen mit einem gewissen Grad an kognitiver Beeinträchtigung verbunden waren, sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen, die an einer bipolaren Störung litten, sichtbar wurden, sodass sich kein Hinweis auf additive negative Wirkungen von bipolaren Störungen und Cannabiskonsum auf die geistige Leistungsfähigkeit ergibt. Zudem erlebten Patienten mit bipolaren Störungen, die Cannabis konsumierten, eine substantielle Verbesserung der Stimmung.

Sagar KA, Dahlgren MK, Racine MT, Dreman MW, Olson DP, Gruber SA. Joint Effects: A Pilot Investigation of the Impact of Bipolar Disorder and Marijuana Use on Cognitive Function and Mood. PLoS One 2016;11(6):e0157060.

Wissenschaft/Mensch: Inhaliertes Cannabis reduziert neuropathische Schmerzen bei Patienten mit Rückenmarksverletzungen

Die Inhalation von Cannabis mit einem Vaporizer (Verdampfer) reduzierte Schmerzen bei 42 Patienten, die an neuropathischen Schmerzen aufgrund von Verletzungen oder Erkrankungen des Rückenmarks litten. Dies ist das Ergebnis einer placebokontrollierten Studie durch Forscher der Universität von Kalifornien (USA), das in The Journal of Pain veröffentlicht wurde. Nach der Ermittlung von Ausgangsdaten durchliefen die Teilnehmer zu 3 verschiedenen Zeiten einen standardisierten Prozess mit der Inhalation von 4 Zügen von verdampftem Cannabis, das entweder ein Placebo, 2,9 % oder 6,7 % THC enthielt. Eine zweite Gabe erfolgte 3 Stunden später, wobei die Teilnehmer eine Inhalation von 4 oder 8 Zügen wählen durften.

Mithilfe einer 11-stufigen numerischen Skala für die Schmerzintensität wiesen die Wissenschaftler eine signifikante schmerzlindernde Reaktion auf verdampftes Cannabis nach. Psychoaktive und subjektive Wirkungen waren dosisabhängig. Die beiden aktiven Dosen unterschieden sich nicht signifikant hinsichtlich der analgetischen Potenz. Die Autoren folgerten, dass „diese Studie die Erwägung weiterer Forschung unterstützt, die länger anhaltende Studien über Wochen oder Monate beinhaltet, um die Wirksamkeit von medizinischem Cannabis bei Patienten mit zentralen neuropathischen Schmerzen zu beurteilen“.

Wilsey B, Marcotte TD, Deutsch R, Zhao H, Prasad H, Phan A. An Exploratory Human Laboratory Experiment Evaluating Vaporized Cannabis in the Treatment of Neuropathic Pain from Spinal Cord Injury and Disease. J Pain, 7. Juni 2016 [im Druck]

Kurzmeldungen

Chile: Seminar zu medizinischem Cannabis
Am 29. und 30. August führen die Fundación Daya und die medizinischen Cannabis-Verwender von Arica ein Seminar zur medizinischen Verwendung von Cannabis durch.
Mehr Informationen

Wissenschaft: CBD könnte in einer simulierten Magenflüssigkeit in THC umgewandelt werden
In einer simulierten Magenflüssigkeit wurde CBD in Delta-9-THC und Delta-8 THC umgewandelt.
Pace Analytical Services, Oakdale, USA.
Merrick J, et al. Cannabis and Cannabinoid Research 2016;1(1):102-112.

Wissenschaft/Tier: CBD hatte keine psychoaktiven Wirkungen, könnte jedoch die Wirkungen von THC verstärken
In einer Studie mit Rhesusaffen hatte CBD (Cannabidiol) bis zu einer Dosis von 17,8 mg/kg Körpergewicht keine Wirkungen auf den CB1-Rezeptor, verstärkte jedoch die Wirkungen von THC. Die Autoren legen nahe, dass der Antagonismus von CBD am 5-HT1A-Rezeptor „die CB1-Rezeptor-vermittelten Wirkungen von Delta-9-THC verstärkt“.
Zentrum für Gesundheitswissenschaften der Universität von Texas in San Antonio, USA.
McMahon LR, et al. Drug Alcohol Depend, 3. Juni 2016 [im Druck]

USA: Der Cannabiskonsum durch Jugendliche nahm in den vergangenen 20 Jahren ab
Nach Daten des Centers for Disease Control nahm die Zahl der Heranwachsenden, die jemals Cannabis konsumiert hatten, von geschätzten 43 % in 1995 auf etwas unter 39 % in 2015 ab. Der Anteil der Heranwachsenden, die Cannabis mindestens einmal in den vergangenen 30 Tagen konsumiert hatten, nahm ebenfalls von 25 % auf etwas unter 22 % ab.
Bericht
Tabelle

USA: Der Cannabiskonsum durch Heranwachsende nahm in Colorado ab
Der Cannabiskonsum durch Highschool-Studenten nahm leicht ab, nachdem der Staat den Freizeitkonsum durch Erwachsene erlaubt hatte. Das zeigt eine neue Umfrage. Die alle 2 Jahre durchgeführte Umfrage durch das Ministerium für öffentliche Gesundheit und Umwelt von Colorado zeigte, dass 21,2 % der Highschool-Studenten, die 2015 befragt worden waren, Cannabis in den vorausgegangenen 30 Tagen konsumiert hatten, während es in 2011 22 % waren, dem Jahr, bevor die Wähler den Freizeitkonsum von Cannabis durch Erwachsene im Alter von 21 Jahren oder älter erlaubt hatten.
Reuters vom 20. Juni 2016

Mazedonien: Die Medien kündigen die Legalisierung von medizinischem Cannabis an, in der Tat ist es aber nur Faserhanf
Medikamente auf Cannabis-Basis wurden am 13. Juni in Mazedonien legalisiert. So meldeten es die Medien unter Berufung auf die Leiterin der mazedonischen Medikamentenbehörde Marija Darkovska-Serafimovska. Allerdings sind nur Produkte, die weniger als 0,2 % THC enthalten, wie Faserhanf oder Cannabidiol (CBD) in Apotheken erhältlich. Faserhanf oder Industriehanf mit weniger als 0,2 % THC kann von Landwirten in vielen Ländern der EURopäischen Union angebaut werden.
Euractiv.com vom 14. Juni 2016

Wissenschaft: Die Aktivierung des CB2-Rezeptors könnte Übergewicht reduzieren
Eine Analyse von 501 italienischen Kindern zeigt, dass eine Genvariante mit einem weniger funktionellen CB2-Rezeptor mit einem höheren Grad an Übergewicht verbunden ist. Die Aktivierung des CB2-Rezeptors mit einem synthetischen Cannabinoid (JWH-133) reduzierte die mit dem Übergewicht einhergehende Entzündung und die Fettspeicherung.
Die zweite Universität von Neapel, Italien.
Rossi F, et al. J Clin Endocrinol Metab, 13. Juni 2016 [im Druck]

Wissenschaft/Tier: Das Endocannabinoid 2-AG könnte den Augeninnendruck senken
Bei Experimenten mit Mäusen führte die Blockierung des Abbaus von 2-AG (2-Arachidonylglycerol) durch eine Blockierung von MAGL (Monoacylglycerollipase) zu einer Reduzierung des Augeninnendrucks (AID). Die Autoren folgerten, dass „die Entwicklung eines optimierten MAGL-Blockers ein therapeutisches Potenzial gegen einen erhöhten AID bietet“.
Institut für psychologische und Gehirnwissenschaften, Universität von Indiana, Bloomington, USA.
Miller S, et al. Invest Ophthalmol Vis Sci 2016;57(7):3287-3296.

Wissenschaft/Tier: Die Aktivierung des CB1-Rezeptors könnte eine Hyperreaktivität der Atemwege reduzieren
Neue Forschung an Ratten legt nahe, dass die Aktivierung des CB1-Rezeptors die Hypersensitivität von vagalen C-Fasern der Lunge unterdrücken kann, welche durch reaktive Sauerstoffspezies induziert wurde. Diese reduzierte Hypersensitivität könnte zu einer reduzierten Hyperreaktivität der Luftwege führen.
Nationale Chung-Hsing Universität, Taichung, Taiwan.
Yeh CM, et al. Pulm Pharmacol Ther, 18. Juni 2016 [Im Druck]

Wissenschaft/Tier: Anandamid könnte neuropathische Schmerzen im Rückenmark durch die Aktivierung von CB2-Rezeptoren reduzieren
Die Blockade von FAAH (Fettsäureamidhydrolase) erhöhte die Spiegel von Anandamid und Palmitoylethanolamid im Nervenwasser, was zur Reduzierung von Schmerzen führte. Die Autoren nehmen an, dass Anandamid die Rezeptoren „CB2, GPR18 und GPR55, die vermutlich neue Cannabinoidrezeptoren darstellen, aktiviert“.
Polnische Akademie der Wissenschaften, Krakau, Polen.
Malek N, et al. Pharmacol Res, 17. Juni 2016 [Im Druck]

Wissenschaft/Tier: Die Aktivierung von Cannabinoidrezeptoren könnte nützlich bei der Parkinson-Krankheit sein
Forschung mit einem Mausmodell der Parkinson-Krankheit zeigt, dass Endocannabinoide wesentliche Wirkungen, die durch Cannabinoidrezeptoren vermittelt werden, bei der Erkrankung haben könnten.
Universität von Navarra, Pamplona, Spanien.
Celorrio M, et al. Brain Behav Immun, 15. Juni 2016 [Im Druck]

Wissenschaft/Tier: Cannabinoide könnten hilfreich bei Patienten mit Tremor sein
In einer Studie mit Ratten, die an Beeinträchtigungen der Motorik und der geistigen Leistungsfähigkeit litten, war ein synthetisches Cannabinoid (WIN 55,212-2) von Nutzen. Die Autoren schrieben, dass eine Substanz, die Cannabinoidrezeptoren aktiviert, „eine mögliche nervenschützende Substanz bei der Behandlung von Patienten mit Tremor, die geistige Fehlfunktionen zeigen, sein könnte“.
Kerman Universität für medizinische Wissenschaften, Iran.
Abbassian H, et al. Physiol Behav, 15. Juni 2016 [Im Druck]

Wissenschaft/Tier: Mögliche Strategien zur Reduzierung der Entwicklung einer Toleranz auf Cannabinoide
Forscher untersuchten bei Mäusen Möglichkeiten zur Reduzierung der Entwicklung einer Toleranz auf Cannabinoide. Ihre Ergebnisse zeigen, dass es eine funktionelle Beziehung zwischen Autophagie, Rezeptor-Signalgebung und Verhalten, das durch psychoaktive Drogen reguliert wird, gibt. Als Autophagie wird ein Prozess in Zellen verstanden, bei denen Zellbestandteile abgebaut und wieder verwertet werden.
Feinberg Fakultät für Medizin, Nordwest-Universität, Chicago, USA.
Kuramoto K, et al. Autophagy, 15. Juni 2016 [Im Druck]

Wissenschaft: Muskatnüsse hemmen den Abbau von Endocannabinoiden
Muskatnuss-Extrakte hemmten die Aktivität der Enzyme FAAH (Fettsäureamidhydrolase) und MAGL (Monoacylglycerollipase), die verantwortlich für den Abbau der Endocannabinoide Anandamid und 2-AG sind. Daher könnten Muskatnüsse die Endocannabinoid-Konzentration erhöhen, was verantwortlich für ihre psychoaktiven Wirkungen sein könnte.
Fakultät für Pharmazie, staatliche Universität von Chicago, USA.
El-Alfy AT, et al. Pharm Biol, 14. Juni 2016:1-6. [Im Druck]

Wissenschaft/Mensch: THC in der Atemluft könnte genutzt werden, um kürzlich zurückliegenden Cannabiskonsum nachzuweisen
Bei 13 Personen, die eine Cannabiszigarette rauchten, nahmen die THC-Konzentrationen in der Atemluft nach dem Rauchen zu und blieben für mehr als 3 Stunden nachweisbar. Es wurde nur THC und keine Stoffwechselprodukte nachgewiesen.
Institut für Labormedizin, Universitätskrankenhaus Ghent, Belgien.
Coucke L, et al. Clin Biochem, 8. Juni 2016 [im Druck]

Blick in die Vergangenheit

Vor einem Jahr

Vor zwei Jahren

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