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IACM-Informationen vom 25. September 2010

Wissenschaft: Cannabidiol nützlich bei sozialer Angststörung in kleiner klinischer Studie

Eine kleine klinische Studie wurde an der Klinik für Psychiatrie der Universität von Sao Paulo (Brasilien) mit 10 Patienten, die an einer generalisierten sozialen Angststörung litten, durchgeführt. In der ersten Sitzung erhielten die Teilnehmer eine orale Dosis Cannabidiol (CBD) (400 mg) oder ein Plazebo, in einem doppelblinden Design. In der zweiten Sitzung erhielten sie auf die gleiche Art und Weise das andere Präparat, das sie nicht in der ersten Sitzung erhalten hatten. Während jeder Sitzung wurde die regionale Hirndurchblutung in Ruhe mittels einer etablierten Methodik gemessen (Single-Fotonen-Emissions-Computertomografie, SPECT).

Verglichen mit dem Plazebo war CBD mit einer signifikant verringerten subjektiven Angst assoziiert. CBD verursachte auch Veränderungen des regionalen zerebralen Blutflusses. Die Forscher folgerten, dass "diese Ergebnisse nahe legen, dass CBD die Angst bei der SAS [soziale Angststörung] reduziert, und dass dies mit Wirkungen auf die Aktivität in limbischen und paralimbischen Hirnregionen einher geht."

(Quelle: Crippa JA, Derenusson GN, Ferrari TB, Wichert-Ana L, Duran F, Marti N-Santos RO, Simões MV, Bhattacharyya S, Fusar-Poli P, Atakan Z, Santos Filho A, Freitas-Ferrari MC, McGuire P, Zuardi AW, Busatto G, Hallak JE. Neural basis of anxiolytic effects of cannabidiol (CBD) in generalized social anxiety disorder: a preliminary report. J Psychopharmacol, 9. September 2010 [im Druck])

Wissenschaft: Cannabisextrakt wirksam bei Harnblasen-Funktionsstörung in klinischer Studie

An Krankenhäusern in Großbritannien und Belgien wurden 135 Patienten mit multipler Sklerose und überaktiver Blase in eine doppelblinde, plazebokontrollierte Parallelgruppen-Studie aufgenommen, um die Wirkung des Cannabisextrakts Sativex zu untersuchen. Über einen Zeitraum von acht Wochen erhielten sie entweder den Extrakt oder das Plazebo.

Es gab nur einen geringen Unterschied zwischen dem Cannabisextrakt und dem Plazebo hinsichtlich des primären Endpunkts, die Reduzierung der täglichen Anzahl der Urin-Inkontinenz-Episoden vom Ausgangspunkt bis zum Ende der Therapie. Vier der sieben sekundären Endpunkte wiesen signifikante Veränderungen zu Gunsten von Sativex auf: die Zahl der nächtlichen Harnblasenentleerungen (Leerungen), der allgemeine Harnblasenzustand, die Zahl der Leerungen pro Tag und der allgemeine Eindruck der Veränderung durch den Patienten. Die Autoren folgerten: "Auch wenn der primäre Endpunkt keine statistische Signifikanz erreichte, so folgern wir doch, dass Sativex einen gewissen Einfluss auf die Symptome der überaktiven Blase bei Patienten mit MS hatte, was Hinweise auf eine Verbesserung von Symptomen bei Harnblasen-Dysfunktion bei diesen Personen liefert."

(Quelle: Kavia RBC, De Ridder D, Constantinescu CS, Stott CG, Fowler CJ. Randomized controlled trial of Sativex to treat detrusor overactivity in multiple sclerosis. Mult Scler, 9. September 2010 [im Druck])

Großbritannien: Cannabisverbot überdenken: Vorschläge eines britischen Cannabisexperten

Während des Britischen Wissenschaft-Festivals vom 14. bis 19. September schlug Dr. Roger Pertwee, Professor für Neuropharmakologie an der Universität von Aberdeen, eine Änderung der Cannabispolitik vor. Wir sollten darüber nachdenken, den Freizeitkonsum von Cannabis zu lizenzierten, erklärte er. "Zur Zeit befindet sich Cannabis in den Händen von Kriminellen, und ich denke, dass das verrückt ist. Wir dürfen Alkohol trinken. Es wird ordentlich gehandhabt. Cannabis wird wahrscheinlich nicht schlimmer als das sein."

Professor Pertwee, der seit 40 Jahren ein herausragender Experte zu Cannabis und Cannabinoiden ist, ist ein ehemaliger Präsident der Internationalen Gesellschaft für Cannabinoidforschung und ein ehemaliger Vorsitzender der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Cannabinoidmedikamente. Er sagte, dass eine Gruppe von Experten mit - unter anderen - Pharmakologen, Juristen und Polizisten gebildet werden sollte, die das Thema analysieren sollen. Er möchte, dass die "sozialen, ethischen, rechtlichen und ökonomischen Faktoren sowie die gegenwärtigen medizinischen und pharmakologischen" Faktoren berücksichtigt werden. "Wir benötigen eine bessere Lösung als die, die wir jetzt haben." "Es muss vermieden werden, dass jüngere Menschen ihn nehmen, vielleicht durch ein Mindestalter von 21 Jahren. Man könnte ihn lizenzieren, sodass man ihn nur nehmen darf, wenn es medizinisch keine Einwände gibt. Wir haben Auto-Führerscheine, warum sollten wir also keine Cannabis-Führerscheine haben?" erklärte er. Professor David Nutt, ein früherer Vorsitzender des Beirats zum Drogenmissbrauch, erklärte: "Ich begrüße diesen Versuch des führenden Experten für Cannabis in Großbritannien, um Rationalität in die Debatte seines rechtlichen Status zu bringen."

Mehr unter:
- www.britishscienceassociation.org/web/news/FestivalNews/_Rethinkingcannabis.htm
- www.guardian.co.uk/science/2010/sep/14/cannabis-licence-legalisation-pertwee

(Quellen: British Science Association, The Guardian vom 14. September 2010)

Kurzmeldungen

Wissenschaft: Schmerzen
Forscher der Universität von Texas (USA) untersuchten die Wirkungen von THC (Dronabinol) auf die Schmerzen von sieben Patienten mit Querschnittslähmung und neuropathischen Schmerzen in einer doppelblinden, plazebokontrollierten und kreuzkontrollierten Studie. THC wurde mit Diphenhydramin als aktive Kontrollsubstanz verglichen. Die Veränderung des Schmerzes unterschied sich zwischen den beiden Medikamenten nicht. Die Autoren folgerten, dass "im Durchschnitt Dronabinol nicht wirksamer als Diphenhydramin zur Linderung chronischer neuropathischer Schmerzen unterhalb des Niveaus der Verletzung war". (Quelle: Rintala DH, et al. Am J Phys Med Rehabil 2010;89(10):840-8.)

Österreich: Kongress
Vom 29. bis 31. Oktober 2010 wird die erste österreichische Konferenz zur Cannabismedizin während der Hanfmesse Cultiva stattfinden. Referenten sind Kurt Blaas, Sinisa Katanic, Marco van de Velde, Alfred Springer, Kathrin Höner-Snoeken, Lutz Musner, Birgit Kraft, Lorenzo Nissen, Alexandra Dolezalova, Bernd Fiebich, Gabriela Hammel, René Kurz, Jörg Fachner, Rudolf Brenneisen, Christian Rätsch, Peter Rausch und William Courtney. Weitere Informationen unter www.cultiva.at. (Quelle: Pressemitteilung der Cultiva vom 16. September 2010)

USA: Michigan
Es gibt eine zunehmende Zahl von Anträgen für eine Registrierung zur Verwendung von Cannabis für medizinische Zwecke. Dies erklärten Vertreter des Gesundheitsministeriums von Michigan am 21. September. Sie erhielten in den vergangenen 19 Monaten 56.513 Anträge für eine Registrierung als autorisierter Verwender, inklusive Neuanträge und Erneuerungen. Nach seinen Regeln sollen Anträge innerhalb von 15 Tagen genehmigt oder abgelehnt werden. Das Gesundheitsministerium ist Tausende von Anträgen im Verzug und erlaubt Antragstellern, die mindestens zwanzig Tage gewartet haben, der Polizei eine Kopie des Antrags vorzulegen. (Quelle: Detroit Free Press vom 22. September 2010)

USA: Kalifornien
Eine Koalition von Unterstützern für medizinischen Cannabis sprach sich am 21. September gegen eine kalifornische Gesetzesinitiative (Proposition 19) aus, die die Droge für den Freizeitkonsum legalisieren und ihren Verkauf besteuern würde. Proposition 19 würde unweigerlich die verletzlichsten Patienten schädigen, da es den lokalen Behörden erlaubt sein würde, den Verkauf und den Kauf von Cannabis in ihrer Stadt zu verbieten, erklärten Mitglieder der kalifornischen Cannabis-Association. Demgegenüber erklärten Unterstützer von Proposition 19, dass dieses Gesetz ausdrücklich die Rechte von Patienten schützen und ihnen einen sicheren und leichteren Zugang zur Droge ermöglichen würde, indem ein streng kontrolliertes, klar definiertes rechtliches System für den Anbau, die Verteilung und den Verkauf von Cannabis eingerichtet würde. (Quelle: Associated Press vom 21 September 2010)

Spanien: Ruf nach Legalisierung
In Spaniens wichtigster Tageszeitung (El Pais) rief der ehemalige Drogenbeauftragte des Landes, Araceli Manjon-Cabeza, zu einem Ende der Drogen-Prohibition auf. Manjon-Cabezas Ruf nach Legalisierung kommt nur eine Woche, nachdem der ehemalige spanische Ministerpräsident Felipe Gonzalez ebenfalls eine Drogen-Legalisierung forderte. "Prohibitionismus, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten installiert wurde und durch dieses Land dem Rest des Planeten aufgedrückt wurde, ist gescheitert", schrieb Manjon-Cabeza. "Es gibt eine Vielzahl rechtlicher und gesundheitlicher Gründe, die eine Legalisierung nahe legen." (Quelle: El Pais vom 22. September 2010)

Wissenschaft: Schmerzen
Wissenschaftler der Universität von Clermont-Ferrand (Frankreich) zeigten, dass der Vanilloid-1-Rezeptor an den schmerzlindernden Wirkungen von Acetaminophen beteiligt ist. (Quelle: Mallet C, et al. PLoS One 2010;5(9). pii: e12748.)

Wissenschaft: Schmerzen
Nach Forschung an der Universität von Kalifornien (USA) reduziert ein Blocker des Anandamid-Abbaus Schmerzen in einem Nager-Modell für Verletzungen peripherer Nerven und Entzündungen. Diese Wirkung wurde durch die Aktivierung peripherer CB1-Rezeptoren vermittelt. (Quelle: Clapper JR, et al. Nat Neurosci, 19. September 2010 [im Druck])

Wissenschaft: Schmerzen
Nach Forschung an der Virginia-Commonwealth-Universität in Richmond (USA) reduzierte ein selektiver CB2-Rezeptoragonist (O-3223) Schmerzen und Entzündungen in mehreren Tiermodellen für Schmerzen, ohne Wirkungen auf das Verhalten, die typisch für eine CB1-Rezeptor-Aktivierung sind, zu verursachen. (Quelle: Kinsey SG, et al. Neuropharmacology, 14. September 2010 [im Druck])

Wissenschaft: THC und Nabilon
Nach Forschung an der Universität von Kentucky (USA) verursachten THC und Nabilon ähnliche Wirkungen auf das Verhalten bei 6 Cannabiskonsumenten, die unterschiedliche Dosen Nabilon (1, 2, 3 und 5 mg) sowie THC (5, 10, 20 und 30 mg) erhalten hatten. Die Autoren stellten fest, dass diese Überschneidung der Wirkungen "wahrscheinlich auf ihren gemeinsamen Mechanismen als CB1-Rezeptoragonisten beruht". (Quelle: Lile JA, et al. Clin Neuropharmacol, 6. September 2010 [im Druck])

Wissenschaft: Endometriose
Forscher an der Universität von Florida in Tallahassee (USA) untersuchten die Beteiligung des Endocannabinoidsystems bei den Schmerzen im Zusammenhang mit einer Endometriose. In einem Rattenmodell fanden sie, dass CB1-Rezeptoragonisten die Hyperalgesie im Zusammenhang mit einer Endometriose reduzieren, während CB1-Rezeptor-Antagonisten sie verstärken. Sie schlagen vor, dass diese Beobachtungen "einen neuen Ansatz für die Entwicklung dringend benötigter neuer Behandlungen" liefern. Die Endometriose ist eine häufig schmerzhafte Erkrankung von Frauen, bei der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutterhöhle vorkommt. (Quelle: DMitrieva N, et al. Pain, 10. September 2010 [im Druck])

Wissenschaft: Knochenmark
Nach Forschung am Beth-Israel-Deaconess-Medizinzentrum (USA) werden im Knochenmark Endocannabinoide gebildet, und sie spielen eine Rolle bei der Wechselwirkung zwischen Stammzellen des Blutes und der Umgebung des Knochenmarks. (Quelle: Jiang S, et al. J Biol Chem, 7. September 2010 [im Druck])

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Die 12. IACM-Konferenz zu Cannabinoiden in der Medizin wird am 20. und 21. Oktober 2022 zusammen mit der Schweizerischen SSCM in Basel/Schweiz stattfinden.

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